So, so.
Jetzt weiß ich es also. Wochenlang fahre ich unter dem Namen Faulty durch die Gegend und dachte mir nichts weiter dabei. Na ja – fast nichts. Ein etwas merkwürdiger Name vielleicht. Aber Menschen haben bekanntlich ihre Eigenheiten. Und jetzt erfahre ich, wie das Ganze entstanden ist.
Ein Faultier. Mein Mensch wollte mich nach einem Faultier benennen. Nicht gerade das Tier, das einem als Erstes einfällt, wenn man an ein Fahrrad denkt. Aber gut. Langsam reisen, sich Zeit lassen, nicht jedem Kilometer hinterherjagen – damit kann ich leben.
Eigentlich sogar ganz gut. Nur dann kam ihm offenbar der Gedanke, aus Faultier irgendwie Faulty zu machen. Und damit beginnt mein Problem. Denn inzwischen habe ich nachgeschlagen, was faulty auf Englisch bedeutet. Fehlerhaft. Defekt. Mangelhaft.
… Entschuldigung? Ich bin ein Trek 950 mit Stahlrahmen, Baujahr 1991. Ich habe Jahrzehnte überstanden. Ich trage Gepäck durch halb Europa. Ich stehe bei Wind und Wetter draußen. Und wenn es bergauf langsam wird, liegt das ganz sicher nicht an mir … und ich bin hier der Fehlerhafte? Das muss ich erst einmal verarbeiten. Vielleicht sollte ich meinen Namen ändern. Sir Faulty hätte wenigstens etwas Würde. Oder Faultless; das würde der Sache schon wesentlich näherkommen. Andererseits … Faulty.
Ich muss zugeben, nach all der Zeit gehört der Name inzwischen irgendwie zu mir; kurz; ein bisschen schräg; ein bisschen eigenwillig … na schön … Faulty darf bleiben.
Aber eine Sache ist damit noch lange nicht erledigt. Denn während mein Mensch offenbar selbstverständlich das Recht besitzt, mir ungefragt einen Namen zu verpassen, läuft er hier seit Jahren völlig unbehelligt als „mein Mensch“ herum. Mein Mensch schraubt an mir; mein Mensch belädt mich; mein Mensch fährt mit mir durch die Gegend und mein Mensch redet manchmal sogar mit mir. Und morgens sollte man meinen Menschen besser erst einmal in Ruhe lassen. Nein … so geht das nicht weiter … wenn hier schon Namen verteilt werden, dann gelten für alle dieselben Regeln.
Und wenn er mich nicht gefragt hat, werde ich ihn selbstverständlich auch nicht fragen.
Was du kannst, kann ich schon lange.
Also brauche ich einen Namen für meinen Menschen. Ganz bei null anfangen muss ich immerhin nicht. Ich habe nämlich mitbekommen, dass andere Menschen ihn Thomas nennen … Thomas … hm … ich habe mir das eine Weile durch den Lenker gehen lassen.
Tho-mas … zwei Silben.
Für jemanden, der mir ungefragt einen Namen mit sechs Buchstaben verpasst hat, vielleicht angemessen Aber irgendwie klingt Thomas so … förmlich. Nach jemandem, der morgens aufsteht, frühstückt und anschließend genau weiß, was er den ganzen Tag vorhat. Das kann er also nicht sein.
Außerdem reisen ich am liebsten mit leichtem Gepäck. Warum sollte das bei Namen anders sein? Also weg mit dem, was wir nicht brauchen … aus Thomas wird einfach Tom.
Kurz, unkompliziert, drei Buchstaben, passt in jede Packtasche und lässt sich auch noch problemlos denken, wenn er mich gerade wieder einen Berg hinaufschiebt.
Ja … Tom … das gefällt mir.
Damit wäre das also geklärt. Mein Mensch heißt ab heute Tom. Ob Thomas damit einverstanden ist? Nun … mich hat schließlich er schließlich auch nicht gefragt.
Euer
Faulty 🚲