Die erste Schleife ist gefahren

Nun bin ich schon eine ganze Weile unterwegs – und es wird Zeit für einen ersten etwas größeren Sattelblick auf den Weg, der hinter mir liegt.

Denn die ersten Wochen waren keineswegs nur die Anfahrt zum eigentlichen Abenteuer. Sie waren bereits ein Abenteuer für sich.

Einen Monat einfach unterwegs

Von Düsseldorf führte mich mein Weg zunächst Richtung niederländische Grenze und anschließend weiter nach Aachen. Von dort ging es auf die Vennbahn; ein rund 125 Kilometer langer Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse, der von Aachen durch das deutsch-belgische Grenzgebiet und die Eifel bis nach Luxemburg führt. Von dort führte mich mein Weg schließlich zur Mosel.

Deutsches Eck bei Koblenz
Deutsches Eck bei Koblenz

Dann änderte sich die Richtung. Nicht mehr nach Süden, sondern der Mosel folgend wieder zurück nach Deutschland. Der Moselradweg brachte Faulty und mich schließlich bis zum deutschen Eck in Koblenz. Dort mündet die Mosel in den Rhein – und wir folgten dem Rheinradweg wieder Richtung Düsseldorf. Damit schloss sich nach gut einem Monat unsere erste große Schleife.

Düsseldorf – Aachen – Vennbahn – Belgien – Luxemburg – Mosel – Koblenz – Rhein – Düsseldorf.

Auf einer Karte sieht das vielleicht einfach nach einer Runde aus. Für mich waren es die ersten Wochen eines vollkommen neuen Alltags. Morgens nicht zu wissen, wo ich abends mein Zelt aufbauen werde. Nicht möglichst schnell irgendwo anzukommen. Einen schönen Ort auch einmal länger anzuschauen. Einen Ruhetag einzulegen, wenn mir danach ist.

Und langsam festzustellen: Ich bin nicht mehr im Urlaub. Das hier ist jetzt mein Alltag.

Ein besonderer Grund für die Rückkehr

Dass meine erste Runde wieder in Düsseldorf endete, war allerdings nicht ganz zufällig. Es gab einen Termin, den ich auf keinen Fall verpassen wollte. Mein Patenkind Meike heiratete.

Da das Auflösen meiner Wohnung, deutlich mehr Zeit verschlungen hatte als gedacht, blieb am Ende kaum noch Zeit für ein richtigen Abschied. Umso wichtiger war mir die Hochzeit. Ein paar Tage nutze ich meinem Freund Andy in Düsseldorf als Zwischenhalt und fuhr dabei von ihm mit dem Zug nach Oberhausen zur Hochzeit und anschließend wieder zurück. Meike wusste nichts von meinem Plan.

Ich wollte sie überraschen – und die Überraschung ist gelungen.

Das ist inzwischen gut zwei Wochen her. Deshalb kann ich nun auch hier davon erzählen, ohne zu verraten, dass und warum ich noch einmal in der Heimat war.

Nach diesen besonderen Tagen hieß es erneut: Packtaschen an Faulty und weiter. Zunächst ging es zurück nach Koblenz. Aber diesmal bogen wir dort nicht zur Mosel ab. Diesmal ging es an die Lahn. Über den Lahnradweg bzw. den Radweg Deutsche Einheit führte die Reise weiter Richtung Osten. Wobei „einem Radweg folgen“ bei mir offenbar nicht zwangsläufig bedeutet, ihm auch bis zum Ende treu zu bleiben. Irgendwann verließ ich den Radweg Deutsche Einheit und suchte mir südlich des Harzes meinen eigenen Weg nach Halle. Dort wartete mit dem Sommerfest von AfA (Anwälte für Aufklärung) und ZAAVV (Zentrum zur Aufarbeitung, Aufklärung, juristischen Verfolgung und Verhinderung von Verbrechen gegen die Menschheit) bereits der letzte besondere Zwischenstopp, bzw. der letzte feste Termin.

Und nun? Nun geht es weiter Richtung Lutherstadt Wittenberg. Dort möchte ich die Elbe erreichen und anschließend dem Elberadweg flussaufwärts folgen. Irgendwann liegt dann Tschechien und Österreich vor uns.

Wann? Das wird sich zeigen. Nach den ersten Wochen habe ich jedenfalls schon etwas gelernt: Ich muss nicht wissen, wo ich wann genau sein werde. Es reicht, wenn ich weiß, in welche Richtung Faultys Vorderrad morgen zeigt. Aber eine grobe Richtung steht: nach Süden. Bevor der Winter die Alpen erreicht, möchte ich auf die andere Seite – und danach dem wärmeren Wetter durch den Süden Europas folgen.

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