
Ich muss euch jemanden vorstellen.
Er reist seit einigen Tagen mit uns und hat sich inzwischen als erstaunlich zuverlässiger Begleiter erwiesen. Nicht besonders elegant. Nicht pulverbeschichtet. Keine ausgeklügelte Technik. Und mit seinen rund 75 Zentimetern auch nicht unbedingt das, was man gemeinhin unter gewichtsoptimierter Fahrradausrüstung versteht. Aber bevor ich euch meinen neuen Ständer vorstelle, muss ich erzählen, warum er überhaupt mit uns unterwegs ist.
Ich sah es kommen …
Es passierte vor gut einer Woche auf einem Waldweg in Tschechien. Tom hatte mich abgestellt und den Click-Stand unter mein Oberrohr gestellt. Normalerweise eine prima Sache: Ständer aufklappen, unterstellen und ich kann mich entspannt anlehnen.
Nur war der Boden an diesem Tag ziemlich weich. Zuerst bemerkte ich nur eine leichte Neigung. Na gut. Kein Grund zur Panik. Dann noch ein bisschen mehr.
Tom?
Keine Reaktion. Der Fuß des Ständers sank langsam in den weichen Untergrund. Ich versuchte, mich ganz leicht zu machen. Wirklich! Ich zog den Bauch ein, hielt die Luft an und versuchte sogar, meine Packtaschen davon zu überzeugen, für einen Moment nichts zu wiegen. Hat alles nichts geholfen. Die Schwerkraft hatte andere Pläne.
TOM!
Ich neigte mich weiter. Der Click-Stand hielt dagegen. Ich auch.
TOOOOM!!!
Dann gab es diesen einen Moment, in dem wir beide wussten: Das wird nichts mehr. Die Aluminiumstange bog sich. Und ich kippte um Ein voll beladenes Reiserad fällt übrigens nicht elegant. Wir machen kein dezentes Plopp. Wir machen eher:
SCHEPPERRR!
Danach lag ich da. Würdevoll natürlich. Soweit das eben möglich ist, wenn man mit Packtaschen im tschechischen Wald auf der Seite liegt. Tom kam. Etwas spät, wie ich anmerken möchte. Mir war zum Glück nichts passiert. Dern Click-Stand hatte die Sache allerdings weniger gut überstanden. Eines seiner Aluminiumsegmente war deutlich verbogen. Und damit hatten wir ein Problem.
Dann holte Tom die Machete
Nun muss man wissen: Auf einer solchen Reise führt mein Mensch allerlei Dinge mit sich herum. Unter anderem eine Machete. Ich beobachtete also, wie Tom den verbogenen Click-Stand betrachtete. Dann mich. Dann einen großen Haufen Äste, den Forstarbeiter nach Baumfällarbeiten am Weg zurückgelassen hatten. Und schließlich griff er zur Machete. Spätestens jetzt wurde ich etwas nervös. Tom begann, verschiedene Äste aus dem Haufen zu ziehen und genauer unter die Lupe zu nehmen. Nicht jeder eignet sich schließlich dazu, ein voll beladenes Reiserad wie mich aufrecht zu halten Irgendwann schien der obere Teil eines größeren Astes zu passen. Kräftig genug, lang genug und mit einer Astgabel am oberen Ende, in die sich mein Oberrohr schön hineinlegen konnte. Also begann die Ersatzteilproduktion. Ein paar kräftige Machetenhiebe später war der passende Teil vom großen Ast getrennt. Anschließend kam das Messer zum Einsatz. Tom entfernte die Rinde und arbeitete das Holz so weit nach, bis aus einem Stück Ast tatsächlich etwas entstand, das verdächtig nach einem Fahrradständer aussah. Na ja. Zumindest wenn man genügend Fantasie besitzt. Dann kam der Test. Tom stellte seine Konstruktion unter mein Oberrohr und legte es in die Astgabel. Ich lehnte mich vorsichtig dagegen … sie hielt … etwas mehr Gewicht … sie hielt immer noch. Ich muss zugeben: Das Ding funktioniert tatsächlich.
Hightech, Modell „Tschechischer Forst“
Seitdem reist dieses Stück Holz mit uns. Und mittlerweile weiß ich sogar, dass Tom bei der Auswahl offenbar mehr gesehen hat als nur einen geeigneten Ast. Das Holz an der Astgabel ist besonders harzreich – Kienspan. Damit hat mein neuer Ständer gleich noch einen zweiten möglichen Verwendungszweck.

Seine technischen Daten können sich also durchaus sehen lassen:
- aus Massivholz
- natürliche Astgabel als Rahmenaufnahme
- mit der Machete auf Maß gefertigt
- mit dem Messer entrindet
- keine Scharniere
- keine Schrauben
- keine beweglichen Teile
- nachwachsender Rohstoff
- und teilweise sogar als Kienspan verwendbar
Lediglich beim Packmaß besteht noch erheblicher Entwicklungsbedarf. Mein ursprünglicher Click-Stand lässt sich nämlich zusammenfalten. Bei der Holzversion hat Tom diese Funktion bislang nicht hinbekommen. Aber ich muss widerwillig zugeben: Seit einigen Tagen hält mich das Ding zuverlässig aufrecht. Tom nennt das Improvisation Ich nenne es: Click-Stand 2.0 – Forest Edition Handgefertigt in Tschechien. Jedes Exemplar ein Unikat.
Faulty