Weiter nach Süden – Böhmen kennt kein Flach

Nach zwei Tagen in Prag war es wieder Zeit, Faulty zu beladen und weiterzufahren. Die grobe Richtung stand fest: Süden. Schließlich wollen wir Bella Italia erreichen, bevor das Wetter den Weg über die Alpen unnötig erschwert. Auch für den nächsten Abschnitt bot sich weiterhin der EuroVelo 7 als Leitlinie an, den ich bereits seit Wittenberg als Elberadweg folge. Nun hat mich der Eurovelo von Prag weiter durch Tschechien Richtung Österreich und dort nach Linz gebracht. Eigentlich ganz einfach. Zumindest meistens.

Wie finde ich eigentlich meinen Weg?

Ich plane meine Strecke unterwegs nicht bis zur letzten Kreuzung. Stattdessen nutze ich auf meinem Smartphone GPX Viewer Pro. Eine einmalige Investition von ein paar Euro – und für meine Art zu reisen eigentlich genau das, was ich brauche. Die Kartendaten auf Basis von OpenStreetMap lade ich vorher auf mein Smartphone. Dadurch habe ich meine Karten auch dann dabei, wenn unterwegs gerade kein Internet verfügbar ist. Dazu kommen GPX-Dateien der Strecken, denen ich folgen möchte. Zurzeit sind das beispielsweise die offiziellen Daten des EuroVelo 7. Auf dem Smartphone sehe ich dann im Grunde drei Dinge: die Karte, die eingezeichnete Strecke und einen Punkt, der mir zeigt, wo ich mich gerade befinde.

Mehr brauche ich nicht. Keine Stimme, die mir an jeder Kreuzung sagt, dass ich in 200 Metern rechts abbiegen soll. Ich schaue gelegentlich auf die Karte: Da bin ich. Da verläuft der Weg. Und irgendwie müssen Faulty und ich beides zusammenbringen.

Das funktioniert erstaunlich gut und lässt mir gleichzeitig die Freiheit, unterwegs auch einmal von der geplanten Strecke abzuweichen. Hinter Prag gab es allerdings eine kleine Besonderheit. In den offiziellen GPX-Daten des EuroVelo fehlt das Teilstück zwischen Prag und Nová Živohošť. Wo keine Linie ist, kann ich natürlich auch keiner folgen. Also musste ich mir dort meinen Weg selbst suchen. Anstatt auf Smartphonr schaut ich einfach nach vorhandener Beschilderung bzw. ich entscheide mich entsprechend der Karte für eine Strecke. Aber eigentlich passt selbst das inzwischen ganz gut zu dieser Reise. Wenn auf der Karte eine Linie fehlt, muss man eben selbst eine finden.

Böhmen kennt offenbar kein Flach

Südlich von Prag fiel mir ziemlich schnell noch etwas anderes auf: die Topografie Böhmens. Es geht hoch oder es geht runter; dazwischen gibt es erstaunlich wenig. Irgendwann musste ich dabei an die Nordschleife des Nürburgrings denken. Natürlich nicht, weil die Straßen durch Böhmen etwas von einer Rennstrecke hätten. Es ist dieses permanente Auf und Ab, das mich daran erinnert. Selbst die Döttinger Höhe, die man ihrem Namen nach für einen längeren ebenen Abschnitt der Nordschleife halten könnte, ist nur in der Mitte wirklich einigermaßen flach. Zu Beginn geht es bergab, zum Ende wieder bergauf. Ähnlich fühlte sich das Radfahren durch Böhmen an. Eine Steigung hoch, auf der anderen Seite wieder hinunter. Schwung mitnehmen, solange es geht – und kurz darauf steht schon der nächste Anstieg vor Faulty und mir. Rollen lassen. Treten. Rollen lassen. Wieder treten.

Mit einem voll beladenen Reiserad bekommt man dabei ein ziemlich gutes Gespür dafür, dass „hügelig“ ein sehr dehnbarer Begriff sein kann. Faulty würde es vermutlich etwas einfacher ausdrücken: Böhmen hat offenbar ein grundsätzliches Problem mit waagerechten Straßen.

Servus Österreich

Aber auch die böhmischen Hügel liegen irgendwann hinter uns. Aus Tschechien wurde Österreich und aus Ahoj langsam Servus. Heute sind wir, nach dem Passieren der europäschien Wasserscheide, schließlich in Linz angekommen. Damit liegt ein weitere Wegabschnitt hinter uns und wir haben das nächste Land erreicht. Und das Schöne daran: Das Gefühl aus meinem letzten Sattelblick ist noch da. Ich bin immer noch gerne unterwegs und dabei genieße ich die schönen Landschaften. Auch wenn es bergauf geht, die GPX-Linie plötzlich aufhört, bzw. andere kleinere Missgeschicke passieren oder wenn ich morgens noch nicht genau weiß, wo ich abends mein Zelt aufstellen werde. All das gehört inzwischen gerade dazu. Nicht alles vorher zu wissen, einen Weg zu haben ohne ihm immer folgen zu müssen, und ein Ziel zu haben ohne genau zu wissen wie man dort ankommt. Jetzt steht Faulty aber erst einmal in Linz. Und danach?

Wie gesagt weiter Richtung Süden.

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