Nach einigen Tagen in Linz ging es für Faulty und mich wieder weiter. Das nächste größere Ziel war Salzburg. Dort wollte ich meinen ehemaligen Arbeitskollegen Harry treffen, mit dem ich anschließend eine Woche gemeinsam unterwegs sein würde. Doch zunächst lagen noch einige Kilometer vor uns.
Eine Begegnung, die in Erinnerung bleibt
Kurz vor Passau begegnete ich eine andere Radreisende; allerdings war sie schon ein wenig länger unterwegs als ich. Seit 13 Jahren bereist Heike, besser bekannt als „Pushbikegirl“, die Welt. Momentan ist sie mit wieder mit dem Rad und ihrem Hund Butch unterwegs. Von ihren zahlreichen Erlebnissen und Begegnungen erzählt sie auch in ihrem Podcast „Rucksack & Curry“.
Dreizehn Jahre! Während ich gerade erst dabei bin, mich an mein neues Leben auf dem Fahrrad zu gewöhnen, ist das Unterwegssein für sie schon seit vielen Jahren Alltag. Solche Begegnungen sind besonders interessant. Menschen, die irgendwann beschlossen haben, ihr Leben anders zu gestalten und ihren eigenen Weg zu gehen. Es ist schön zu sehen, wie unterschiedlich man die Welt entdecken kann.
Immer den Flüssen entlang
Die Strecke führte mich zunächst entlang der Donau nach Passau und anschließend an Inn und Salzach entlang weiter in Richtung Salzburg. Flusslandschaften haben für mich einen besonderen Reiz. Das Wasser begleitet einen über viele Kilometer, die Landschaft verändert sich langsam, und meistens gibt der Fluss die grobe Richtung vor. Besonders schön finde ich es, einfach mal anzuhalten und in aller Ruhe aufs Wasser zu schauen. Den Blick über die Strömung schweifen zu lassen, die kleinen Wellen zu beobachten und dabei die Gedanken treiben zu lassen. Ich empfinde das als unglaublich entspannend. Manchmal könnte ich so stundenlang dasitzen, ohne dass mir langweilig wird. Genau das gefällt mir an dieser Art zu reisen. Ich muss nicht ständig weiterfahren, nur weil noch Kilometer vor mir liegen.
Wenn die Campingplätze bereits geschlossen haben

Allerdings machte sich inzwischen bemerkbar, dass der Sommer langsam zu Ende ging. In Österreich hatten bereits etliche Campingplätze ihre Saison beendet. Was im Hochsommer vermutlich kein Problem gewesen wäre, erforderte jetzt gelegentlich etwas mehr Flexibilität. Zum Glück habe ich ja mein Zuhause ohnehin immer dabei. So kam es, dass ich eines Abends mein Zelt auf einer Kiesbank direkt am Inn aufschlug., da der vorhanden Campingplatz ab Ende September geschlossen hatte. Also kein Campingplatz, keine Parzellennummer und keine sanitären Einrichtungen.
Dafür ein Platz unmittelbar am Fluss. Und die Gelegenheit, am Abend noch eine Weile in Ruhe aufs Wasser zu schauen. Beim Wildcampen gibt es für mich ein paar ungeschriebene Regeln. Die wichtigste lautet: Wenn ich einen Platz verlasse, sollte niemand erkennen können, dass dort jemand übernachtet hat. Ich hinterlasse nichts, was nicht ohnehin schon dort war. Und wenn ich unterwegs dort ein wenig Müll finde, nehme ich ihn nach Möglichkeit gleich mit. Schließlich möchte ich die Natur nicht nur genießen, sondern auch dazu beitragen, dass sie so schön bleibt, wie ich sie vorgefunden habe. Am nächsten Morgen wird alles wieder zusammengepackt, Faulty beladen und weiter geht es.
Salzburg – diesmal nicht allein weiter
Schließlich erreichte ich Salzburg. Hier sollte sich für die kommende Woche etwas ändern: Mein Freund und ehemaliger Arbeitskollege Harry würde mich begleiten. Nach vielen Wochen, in denen Faulty und ich überwiegend allein unterwegs gewesen waren, würde ich nun wieder mit jemandem gemeinsam Rad fahren. Unser Ziel: dem Eurovelo 7 von Salzburg bis nach Bozen in Südtirol folgen. Wie sich das anfühlen würde, eine Woche lang nicht allein über Tempo, Pausen und Tagesziele zu entscheiden? Ich bin gespannt. Und Faulty? Der musste sich wird sich dann daran gewöhnen, dass ein zweites Fahrrad mitreden darf.