Der Elbe nach Prag folgen – und langsam ankommen

In meinem letzten Sattelblick lag Wittenberg noch vor mir und Tschechien irgendwo weiter in der Zukunft. Inzwischen hat Faulty mich ein gutes Stück weitergetragen. Von Halle ging es zunächst nach Wittenberg und dort an die Elbe. Von nun an war die Navigation für eine ganze Weile ziemlich einfach: dem Fluss folgen – und zwar entgegen seiner Fließrichtung. Der Elberadweg führte uns weiter Richtung Süden, durch Sachsen und schließlich über die Grenze nach Tschechien.

Aus der Elbe wurde die Labe – aus Deutschland wurde Tschechien – und später führte uns die Vltava die letzten Kilometer bis nach Prag.

Doch während der Fahrt hat sich noch etwas anderes verändert. Etwas, das sich schlecht in Kilometern oder auf einer Karte festhalten lässt. Es fühlt sich alles richtig an. Als ich meine Wohnung auflöste, meinen Job hinter mir ließ und alles was ich brauche, in Faultys Taschen packte, wusste ich natürlich nicht, wie sich dieses Leben nach einigen Wochen tatsächlich anfühlen würde. Eine solche Entscheidung kann man planen. Man kann Versicherungen abschließen, Ausrüstung zusammenstellen und Routen überlegen, aber man kann nicht planen wie es sich anfühlen wird. Auf dem Elberadweg kam nach und nach ein Gefühl auf, das ich so nicht erwartet hatte: eine tiefe Zufriedenheit.

Es geht weiter

In den letzten zwei Tagen habe ich Prag zu Fuß erkundet und die Stadt hat wirklich viel zu bieten. Überall stößt man auf historische Gebäude, alte Gassen, Kirchen, Türme und Plätze. Man könnte vermutlich noch einige Tage hier verbringen und hätte längst nicht alles gesehen. Und trotzdem habe ich in diesen beiden Tagen etwas festgestellt, das ich eigentlich schon vorher wusste: Ich mag schöne Naturlandschaften einfach mehr als schöne Städte.

Das ist keine Kritik an Prag. Im Gegenteil. Ich kann verstehen, warum so viele Menschen von dieser Stadt begeistert sind. Aber während mich eine beeindruckende Fassade für einen Moment stehen bleiben lässt, kann ich an einem Fluss, in einem Wald oder mit Blick auf Berge sehr viel länger einfach nur dastehen und schauen.

Vielleicht spielt auch die Sprache eine Rolle, denn Tschechisch zu lernen fällt mir erstaunlich schwer. Die Sprache gilt wohl ohnehin nicht gerade als einfach zu lernen, und viele Wörter wollen bei mir einfach nicht hängen bleiben. Ein paar Wörter habe ich inzwischen trotzdem gelernt. Dobrý den, děkuji, prosím und natürlich ahoj – für eine Unterhaltung reicht das natürlich noch lange nicht, aber wenigstens für den Versuch, nicht überall direkt mit Deutsch oder Englisch anzufangen.

Nach zwei Tagen Prag freue ich mich darauf, Faulty wieder zu beladen und weiterzufahren. Und das nächste Ziel steht zumindest grob fest: Richtung Süden. Bevor Herbst und Winter die Alpen erreichen, möchten wir in Bella Italia ankommen. Denn Faulty und ich mögen einfach milderes Wetter.

Wie schnell? Auf welchem genauen Weg? Und wo genau werden wir am Ende des Jahres sein?

Ich lasse mich überraschen, denn es fühlt sich nicht wie fehlende Planung an. Es fühlt sich wie Freiheit an.

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